Klavierstimmung

Klaviere und Flügel stimmen

Das Klavier besteht aus vielen verschiedenen Bestandteilen, die aufeinander abgestimmt werden müssen. Auch wenn das Klavier fertig gebaut ist, lebt es. Es reagiert auf unterschiedliche Temperaturen und Luftfeuchtigkeitsunterschiede. Hierbei spielt die relative Luftfeuchtigkeit eine bedeutende Rolle. Die Luft kann , wenn sie warm ist mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Bei sinkenden Temperaturen nimmt proportional die Fähigkeit Feuchtigkeit aufzunehmen ab. Daher auch z.B. im Sommer der Morgennebel, der entsteht ,wenn die Luft 100% Sättigungsgrad erreicht hat, und auf diese Weise die Feuchtigkeit wieder abgibt. Daher spricht man von relativer Luftfeuchtigkeit, da die Feuchtigkeit in der Luft gleich bleibt, aber je nach Temperatur steigt oder sinkt. Da im Klavier noch unterschiedliche Werkstoffe dazu kommen, die auch je nach Beschaffenheit stärker oder auch unterschiedlich schnell auf Temperaturschwankungen reagieren, kann man sich vielleicht einwenig vorstellen, was im Instrument passiert. Da es notwendig ist zu lüften,verändert sich die Luftfeuchtigkeit im Raum. Gerade im Winter führt dies zutrockener Luft. Und so gibt das Klavier die gespeicherte Feuchtigkeit entwederan die Luft ab oder nimmt sie auf. Das ist ein Faktor, der zu Veränderungen im Klavierführt.

Ein weiterer Umstand sind die Kräfte, die ständig im Instrument wirken. Wenn wir von ca. 200 Saiten ausgehen und jede Saite eine Zugkraft Das ist die Kraft, die man aufwenden muss,um die Saite in der Tonhöhe zu verändern) von ca. 70 kg hat, so sind das mehrere Tonnen Zugkraft, die der Rasten im Klavier aushalten muss. Dazu drücken die Saiten auch noch auf den Steg. Diese Kräfte steigen und sinken und führen zu Reaktionen im Tasteninstrument.

Ein Dritter Umstand ist das Spielen. Jedesmal wenn wirdie Saite zum Klingen bringen, werden Kräfte freigesetzt. Und je noch Stärkedes Anschlages variieren auch die Kräfte, die sich auf den Rasten ( Klangkörper) auswirken.

All diese Faktoren sind dafür verantwortlich, das das Klaviernicht stabil in der Stimmung bleibt. Je größer die Harmonie in der Stimmung gestört ist, destomehr muss gestimmt werden. Dadurch ändern sich aber auch die Zugkräfte in den Saiten. Die Saiten bestehen aus Stahl. Stahl hat die Eigenart, das er Veränderungen in der Zugkraft nicht mag. Wenn wir zum Beispiel die Tonhöheerhöhen, erhöhen wir die Zugkraft. Der Saitenstahl versucht aber in die Ausgangszugkraft zurückzukehren, das heißt er dehnt sich wieder. Ganz in die ursprüngliche Zugkraft kann er nicht zurückkehren, da die Zugkraft erhöht wurde. Durch dieses Arbeiten des Stahls verändert sich wieder die Tonhöhe.

Daher wird eine halbjährliche Stimmung empfohlen, um die Zugkraft im Stahl möglichst wenig zu ändern. Die Chancen auf eine harmonische Stimmung die etwas länger hält, vergrößert sich dadurch erheblich. Außerdem kann der Klavierbauer ungebetene Gäste, die sich gerne im Klavier einquartieren, wie Mäuse, Motten oder Schimmel rechtzeitig erkennen, und eventuelle Schäden können in der Regel in erträglichen Grenzen gehalten werden.

Daher kann man sagen: Wer sein Klavier liebt und daran lange Freude haben möchte, lässt es alle halbe Jahre von einem Klavierbauer stimmen.
So kann man lange Zeit den Lohn seines Übens und Klavierspielens genießen.